Analysten der IDC prognostizieren, dass die weltweiten Geschäfte mit BI-on-Demand-Lösungen bis 2015 jährlich über 20 Prozent wachsen werden. Damit würde das Software-as-a-Service (SaaS)-Segment des BI-Marktes drei Mal so schnell wachsen wie das Gesamtgeschäft mit Analysewerkzeugen.
Doch während sich Cloud computing Services in Anwendungsbereichen wie Customer Relationsship Management (CRM) bereits etabliert haben, hinkt der BI-Markt aktuell noch ein wenig nach, attestieren die Analysten von Forrester Research.
Worin liegen nun die Anreize BI-Lösungen aus der Cloud zu nutzen? Diese und weitere Fragen habe ich mit Guntram Rainer - Microsoft Österreich, Damianos Soumelidis - Hexa business Services und Gregor Zeiler - actinium consulting diskutiert:
Mark Bench: Herr Zeiler, werden zukünftig die BI-User auf Wolke 7 schweben?
Zeiler: Ich denke, die Endanwender werden eher weniger merken. Der große Unterschied liegt im Betrieb der BI-Lösung. „Use on Demand“, „Pay per Use“ und keine Sorgen mit der Skalierbarkeit sind die Schlüsselfaktoren.
Mark Bench: Was bedeutet das konkret?
Zeiler: Nur zahlen, was tatsächlich benötigt wird. Das betrifft nicht nur die Softwarenutzung, sondern auch die benötigten Hardwareressourcen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lizenzmodellen und selbst beschaffter Hardware, wird für die Bereitstellung des gesamten Services bezahlt.
Mark Bench: Worin liegt nun der Vorteil?
Zeiler: Sowohl die Softwarelizenzen als auch die Hardwareressourcen müssen nicht auf den Maximalbedarf ausgelegt werden, sondern können nach Bedarf hinzugenommen und auch wieder weggelassen werden. Dies hat bei schwankenden Userzahlen, stark wechselnden Bedarf an Rechenleistung und Speicherbedarf Vorteile.
Mark Bench: Hört sich gut an, wo kann man das kaufen?
Zeiler: Da liegt derzeit noch das Problem. Der BI-Cloud Markt beginnt sich erst aufzubauen. Vor allem in USA beginnen erste Anbieter mit durchaus interessanten Angeboten. Zuversichtlich stimmen aber die intensiven Anstrengungen von Microsoft mit der Azure Plattform für Windows und SQL Server den Cloud Markt kräftig aufzumischen.
Mark Bench: Herr Rainer, Microsoft Azure wurde angesprochen, warum engagiert sich Microsoft so intensiv im Cloud Computing?
Rainer: Die Zeit ist jetzt einfach reif dafür. Wir haben mit den verfügbaren Internet Bandbreiten ausreichend Performance zur Verfügung und Unternehmen wollen anstelle von komplexen IT Projekten eher einfachere Services auf Basis monatlichen und tatsächlichen Aufwand einsetzen. Das bedeutet wesentlich weniger Risiko und bringt Vorteile betreffend Liquidität.
Mark Bench: Das klingt simpel – also bietet Microsoft hier Produkte wie Winword und Excel als Online Services an – das ist alles?
Rainer: Diese Online Services waren zusammen mit Exchange Services der Anfang. Mittlerweile sind wir mit Dynamics CRM in der Cloud – eines der interessantesten Produkte für mich ist jedoch Windows AZURE.
Mark Bench: Was kann also Windows Azure?
Rainer: Windows Azure ist genau genommen ein IT Plattform Service in der Wolke – dieses umfasst Computing Services (Windows Azure), Datenbank Services (SQL Azure) sowie ein Bus System (Azure AppFabric) welches die unterschiedlichen Software und Service Komponenten miteinander verbindet.
Mark Bench: Wer benötigt so etwas - und was unterscheidet Windows Azure von anderen Services?
Rainer: Jedes Unternehmen das sich momentan mit dem Ankauf von Server und Datenbanken beschäftigt ist potentieller Anwender. Windows Azure ist in vielen Fällen einfach die bessere Alternative zum Kauf und Betrieb im Haus! Einer der wesentlicher Unterschiede: Mit Azure AppFabric können Daten auf Wunsch auch lokal gespeichert werden, obwohl die Software in der Wolke betrieben wird!
Mark Bench: Herr Zeiler, Worin liegen ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen bzw. Chancen für BI in der Cloud?
Zeiler: Die Bereitstellung von Front End Technologie stellt keine große Herausforderung dar. Schwieriger zu beurteilen ist der Datentransfer in die Cloud, vor allem bei sehr großen Datenmengen und den in Relation zu Busbandbreiten relativ geringen Bandbreiten über das Internet. Abhilfe dazu können natürlich Hybrid-Modelle bieten, bei denen das BI Front-End und eventuell ein analyserelevanter Datenausschnitt in der Cloud gehalten wird und der Großteil der Datenmengen lokal, wie es auch schon Herr Rainer angedeutet hat. Als größte Chance sehe ich die Vorkonfiguration von BI-Lösungen und die damit verbundene schnellere Implementierungszeit. In diesen Vorkonfigurationen sind die einzelnen Softwarekomponenten und die genutzte Hardware bestens aufeinander abgestimmt. Grundkonfigurationen von BI Lösungen können dadurch entfallen.
Mark Bench: Herr Soumelidis, sie beschäftigen sich sehr intensiv mit allen notwendigen Rahmenbedingungen Cloud Services zu nutzen. Müssen wir nur mehr auf die richtige Technik warten?
Soumelidis: Warten müssen wir schon lange nicht mehr, die dem Cloud Computing zugrunde liegenden Technologien gibt es schon seit Jahren. Auch das Konzept, Informationstechnologie als Service zu nutzen ist nicht neu. Lediglich das optimierte Zusammenspiel von Virtualisierung, Bandbreiten und den notwendigen Architekturen hat die sinnvolle kommerzielle Nutzung möglich gemacht und findet jetzt Anwendung.
Mark Bench: Werden wir zukünftig die ganze IT aus der Cloud beziehen?
Soumelidis: Je nachdem, wie Sie Zukunft definieren. Meinen Sie damit „in zwei Jahren“, dann nein, meinen Sie „in 20 Jahren“, wird eine im Unternehmen betriebene IT eher die Ausnahme sein.
Mark Bench: Kann ein Unternehmen heute uneingeschränkt Cloud Services einsetzen?
Soumelidis: Jedes Konzept muss vor seiner Einführung auf Sinnhaftigkeit und seine Vor- und Nachteile geprüft werden. Wenn z.B. ein Dienst die kommerziellen Ziele zwar erfüllen würde, aber die Endanwender diesen aufgrund von Performanceschwierigkeiten oder einer holprigen Benutzerschnittstelle ablehnen, ist die Einführung nicht sinnvoll. Oder wenn ein Dienst sämtliche Vorteile mit sich bringt, aber im Widerspruch zum geltenden Recht steht, muss man ebenfalls davon absehen. Die Einschränkungen sind aber bei weitem geringer als die Vorteile – im Gegensatz zu der oft kolportierten Meinung, dass Public Cloud Services unsicher sind.
Mark Bench: Welche Hürden gibt es beim Datenschutz?
Soumelidis: Die österreichische Rechtsordnung schränkt die Datenhaltung geografisch nicht ein. Also ist eine Verlagerung von Daten auch ins Ausland möglich. Natürlich sind die Regeln des Datenschutzgesetzes zu befolgen, das gilt aber für jegliche Art der Datenübermittlung, -archivierung und -aufbewahrung. Im europäischen Raum ist es einfach: Das EU Datenschutzgesetzt schreibt vor, dass personenbezogene Daten den EU Raum nicht verlassen dürfen. Fast alle großen Cloud Service Provider tragen diesem Umstand Rechnung und garantieren die Datenhaltung in europäischen Rechenzentren. Das gilt auch für Daten die für BI verwendet werden.
Mark Bench: Gibt es Sicherheitsrisiken die Cloud Computing mit sich bringt?
Soumelidis: Alle IT-Konzepte bergen Sicherheitsrisiken – nicht nur Cloud Computing. Zu beachten ist die Aufteilung der Verantwortung zwischen dem Kunden und dem Provider und der Klärung von juristischen Fragestellungen. Allgemein lässt sich sagen, je „höher“ der Service angesiedelt ist, desto umfassender ist die Verantwortung des Cloud Service Providers. Im SaaS sind Datenintegrität, Zugriffsmechanismen, Identity Management in der Regel im Servicevertrag geregelt. Für die gleichen Themen im IaaS-Umfeld ist ab der Betriebssystemebene der Kunde selber verantwortlich.
Mark Bench: Wie bereitet sich ein Unternehmen für den Einsatz von Cloud Services vor?
Soumelidis: Es gilt einerseits den sinnvollen Umfang der Bereiche abzustecken die in die Cloud verlagert werden können. Wichtig ist auch, die organisatorische Bereitschaft (Readiness) des Unternehmens für die Nutzung von Cloud Services zu schaffen. Jede Auslagerung von Diensten bedarf Anpassung in Governance und Prozessen. Die Steuerung von traditionell ausgelagerten Funktionen an Outsourcer, ist ein gerne vernachlässigtes Thema. Ich spreche daher vom Cloudsourcing als ganzheitliches Rahmenwerk, das sämtliche vorbereitende und betriebliche Aspekte der Nutzung von Diensten aus der Cloud berücksichtigt.
Mark Bench: Meine Herren, vielen Dank für das interessante Gespräch. Ich bin sicher, dass es zu diesem Thema zukünftig noch einiges zu berichten geben wird.
Microsoft Österreich
Die Microsoft Österreich GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Microsoft Corporation/Redmond, U.S.A., des weltweit führenden Herstellers von Standardsoftware, Services und Lösungen. Seit 1991 ist Microsoft mit einer eigenen Niederlassung in Wien vertreten, seit 2006 verfügt das Unternehmen zudem mit Vexcel Imaging über eine F&E-Niederlassung in Graz. An beiden Standorten beschäftigt Microsoft insgesamt rund 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Das Ziel ist es, gemeinsam mit mehr als 5.000 heimischen Partnerunternehmen, Menschen und Unternehmen zu ermöglichen, durch Software ihr volles Potenzial auszuschöpfen.
actinium consulting
actinium consulting ist ein auf Business Intelligence spezialisiertes Beratungsunternehmen. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei in der Verbindung von betriebswirtschaftlichem Fachwissen und technischem Umsetzungs-Know-How.
Unser Ziel ist es, unseren Kunden durchgängige Leistungen von der Fachkonzeption bis zur Umsetzung bieten zu können. Mit dieser Durchgängigkeit bieten wir erfolgreiche und vor allem praktikable Lösungen.
Hexa Business Services
Hexa Business Services ist ein unabhängiges Beratungsunternehmen, das seinen Kunden hilft, Informationstechnologie in Form von Cloudsourcing und Outsourcing Services einfach und kostengünstig einzusetzen.
Gegründet wurde Hexa Business Services 2010 von Damianos Soumelidis, der seit 1982 in der IT Industrie in verschiedenen Management Positionen beschäftigt ist. Das Team der Hexa besteht aus Beratern, Architekten und Outsourcing Experten, die ausnahmslos mehr als 15 Jahre bei internationalen Konzernen Erfahrung gesammelt haben. Sie verfügen über tiefgehendes Wissen und langjährige Erfahrung bei der Konzeption, Planung und Umsetzung von komplexen Integrations-, Betriebs- und Outsourcingprojekten bei mittleren und großen Unternehmen.