Das kann der neue SQL Server 2008

Am 07.08.2008 hat Microsoft die Finalversion des neuen SQL Server 2008 veröffentlicht und zum Download bereitgestellt. Doch was kann der neue Server wirklich?

Der folgende Artikel befasst sich mit den Änderungen und Erweiterungen des SQL Server 2008 in den Bereichen:  

  1. Datenbank Server
  2. Analysis Services
  3. Integration Services
  4. Reporting Services
  5. Allgemeine Änderungen

Vorausschauend kann verraten werden, dass Microsoft zahlreiche Verbesserungen sowie neue Funktionen eingeführt hat.

1. DATENBANK SERVER

  Es gibt verschiedene Verschlüsselungsoptionen (Encryption):

  • Transparent Data Encryption 
    Ab sofort können die komplette Datenbank (alle Tabellen und Daten) sowie Log Files verschlüsselt werden.
  • Backup Encryption
    Die nachträgliche Verfälschung von Daten kann durch eine Backup-Verschlüsselung verhindert werden. Das Rücksichern von Backups kann auf spezifische User beschränkt werden.
  • External Key Management 
    Neu ist die Unterstützung von Hardware Security Modules (HSM), die vor allem für die Bearbeitung von Kreditkarten-Transaktionen interessant ist.

  Performance Data

  • Die Anzahl von Performance Counters in SQL Server 2008 wurde stark erweitert.
  • Es gibt ein Performance Dashboard Tool, das gespeicherte Performance Daten liest und diese 
    historisch darstellen kann.
  • Neu ist außerdem das Performance Studio, eine Kollektion folgender interessanter Tools: 
      1. SQL Server Dashboard
      2. Performance Monitoring (siehe Screenshot Abb. 1)
      3. Aktuelle und historische Datenanalyse
      4. Vorschläge für potentielles Performance-Tuning
      5. Data collection sets-based reports
      6. MDW-basierende Reports.

resource_monitor
Abb. 1: Resource Monitor



  Daten-Komprimierung

Neben der Daten-Komprimierung , um Platz auf der Harddisk zu sparen und schnellere Backupzeiten zu erzielen, war es ein weiteres Ziel, die Größe von Faktentabellen in SQL2008 zu reduzieren.

Die Komprimierung bringt folgende Verbesserungen mit sich:

  • Verbesserung der Abfrage-Geschwindigkeit indem I/O verringert und buffer-hit rates gesteigert
      werden.
  • Daten als auch deren Indizes werden komprimiert.
  • Faktentabellen werden mit einer Kompressionsrate des Faktors 2 – 7 gespeichert

  Datum und Zeit

Der SQL Server 2008 hat als Feature neue Datum- und Zeit-Datentypen. Diese Typen sind folgendermaßen aufgebaut:

  • Datum: nur Datum ohne Zeit.
  • Zeit: Zeitangabe mit Präzision bis zu 100 Nano-Sekunden; keine Datum.
  • Date Time Offset: ist als Universal Coordinated Time (UCT) gespeichert.

  Spatial Data

Dieser Datentyp ermöglicht, dass Latitude, Longitude und GPS-basierende Dateneingaben automatisch und in ihrer ursprünglichen Form im SQL Server gespeichert werden. Weiters ist er konform mit diversen Industrie-Standards wie der Open Geospatial Consortium (OGC) und ISO 19125 Simple Feature Access.


  File Stream

Der neue Daten-Typ VarBinary(Max) Filestream ermöglicht es, binäre Daten zu verwalten. Dazu verwendet man TSQL SELECT, INSERT sowie UPDATE und DELETE Statements. In der alten Version wurde hingegen ein BLOB, abgerufen durch eine .Net Applikation, verwendet, um binäre Daten zu speichern. Jetzt können auch SQL Funktionen wie Triggers, Full Text Search und Backup/Restore auf binäre Daten angewandt werden.


  LINQ

LINQ ist eine Standard-Entwicklungs-Syntax, die den Zugriff auf Daten ermöglicht und zwar unabhängig wo sich die Daten befinden. Zum Beispiel kann die gleiche Syntax entweder Daten vom SQL Server oder aus einem XML File abrufen. LINQ wird - anders als TSQL - direkt in der Applikation angewandt (als Erweiterung zu C# oder VB).


  Resource Governor

Mit dieser Funktion werden Resource-Limits definiert: Der Resource Governor verhindert, dass Benutzer und Gruppen zu viele Resourcen beanspruchen. Resourcen-Limits wie CPU Bandbreite, timeout waits, execution times, blocking times und idle times können hier überwacht werden. Wenn im Betrieb der definierte Level erreicht ist, kann ein Trigger ein Event auslösen oder den Prozess stoppen.


2. ANALYSIS SERVICES

Eine Reihe von Erweiterungen und Verbesserungen gibt es auch beim SSAS (SQL Server Analysis Server):

  • Die BI-Funktionalitäten wurden hingehend stärkerer Performance verbessert.
  • „Block Computation“ garantiert signifikante Performance-Verbesserungen bei der Aufbereitung von Cubes.
  • Verbesserte Performance für Star / Snowflake JOIN Operationen
  • Neue Tools zum Erstellen von Cubes inklusive Best Practices und Hinweise zu deren Anwendung.


3. INTEGRATION SERVICES (SSIS)

SSIS ist ein Tool zur Entwicklung und Ausführung von ETL Paketen. SSIS 2008 ist eine Weiterentwicklung von SSIS 2005, das als Ersatz von „SQL 2000 DTS“ zu verstehen ist. Der Integrationsservice beinhaltet die notwendigen Wizards, Tools und Tasks um sowohl einfache Import-Export-Packages anzulegen als auch sehr komplexe data cleansing operations durchzuführen.

SQL Server SSIS bietet weitere Verbesserungen und Erweiterungen wie beispielsweise eine bessere parallele Ausführung von Paketen. SSIS 2005 unterstützt maximal zwei Prozessoren während SSIS 2008 mehr, nämlich zwei (MultiCore) Prozessoren unterstützt.

Außerdem ist die Performance bei großen Paketen mit langen Sub-Trees verbessert worden. Zusätzlich ist die SSIS Engine stabiler, wodurch weniger Fehler und Deadlocks auftreten.

Die Suchfunktion (Lookup Component) wurde optimiert. Lookups sind sehr gebräuchliche SSIS-Funktionen, die relevante und verwandte Informationen abrufen. Beispielsweise wenn ein Suchdurchlauf einen Kundennamen anhand einer Kunden-ID einholt. Weil Suchabfragen in SSIS häufig vorkommen und viele Millionen Zeilen von Datensets durchsuchen, kann es zu einer schlechten Performance kommen. SSIS 2008 wurde dahingehend optimiert, dass Lookups ab sofort performanter ablaufen.

Als mögliche Datenquellen für Lookups stehen ADO.net, XML, OLEDB sowie SSIS Packete zur Verfügung.



4. REPORTING SERVICES

Das Aufbereiten von Reports wurde in Richtung Performance, Konsistenz zwischen Entwurfs-Ansicht und der Berichts- Vorschau optimert. Weiters ist eine Mischung zwischen einer Tabelle und einer Matrix (TABLIX) in SSRS 2008 inkludiert.

Das Speicher-Management im SQL Server 2008 Reporting Services wurde verbessert. Wenn nun lange Reports abgerufen werden, nimmt dass nicht den ganzen Speicherplatz in Anspruch.



5. ALLGEMEINE ÄNDERUNGEN
 

  Ende der SQL 2000 Wartung

Microsoft stellt den Support für SQL 2000 mit der neuen Release endgültig ein. Der Mainstream Support für SQL Server 2000 64 bit, SQL Server Developer, SQL Server 2000 Enterprise, SQL Server 2000 Standard, SQL Server 2000 DE und SQL Server 2000 Workgroup Edition ist komplett eingestellt. Der erweiterte Support bestehend aus Security Updates und Paid Support wird bis 2013 weitergeführt. Genaue Informationen zu den Support-Phasen finden sich auf der Microsoft-Website unter Microsoft Support Lifecycle” und “Microsoft Support Lifecycle Policy FAQ”.


  Microsoft Office 2007

Durch die enge Verknüpfung zwischen Office 2007 und SQL2008 erhält der Benutzer viele zusätzliche Möglichkeiten wie beispielsweise Reports direkt in Word zu exportieren. Excel und Word können als Templates für SSRS Reports verwendet werden, indem man die Report Authoring Funktion nutzt. Außerdem arbeiten die Excel SSAS Tools effizienter und es gibt ein verbessertes Data Mining Add-In.

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Abb. 2: Data Mining - Add-Ins

Conclusio

SQL Server 2008 beinhaltet viele neue Erweiterungen und Verbesserungen, die hier nicht alle erwähnt wurden. Die vollständige Liste der neuen Funktionen findet man unter: http://www.microsoft.com/sqlserver/2008/en/us/default.aspx

Abschließend eine Übersicht die wichtigsten Neuerungen:

  • Komplette Datenbanken können verschlüsselt werden 
  • Verschlüsseln von Backups 
  • Datenkompression (vor allem das Komprimieren von Faktentabellen) 
  • Resource Govenor: Bessere Verwaltung von Resourcen einzelner Benutzer oder Gruppen 
  • Performance Studio (Zusammenfassung mehrerer Tools zur Performance Überwachung) 
  • Datensynchronisation für Offline Anwendungen verbessert 
  • Datum und Zeit als eigenständige Datentypen 
  • VarBinary(Max) als neuer Datentyp 
  • Ganze Tabellen könne als Parameter in Stored Procedures übergeben werden 
  • Speichern von GPS Koordinaten 
  • Bessere Speicherverwaltung in Reporting Services 
  • Mehrkernprozessor-Unterstützung in SSIS 
  • TSQL-Erweiterung MERGE (eine Kombination aus INSERT, UPDATE und DELETE) 
  • Office 2007 Integration, Office zur Template Erstellung von SSRS verwenden

Mehr über die vielfältigen Funktionen von SQL Server 2008 unter folgendenem Link:
http://www.databasejournal.com/features/mssql/article.php/3691821


Posted by: MarkBench
Posted on: 12.08.2008 at 10:59
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